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Villa Savoye 1 mit Cinema 4D | mehr zum Thema im Buch: Licht Schatten Raum


In diesem Abschnitt soll kurz in das Modellieren mit Cinema4D eingeführt werden. Auch wenn im Normalfall CAD-Modelle zum Einsatz kommen werden, ist es doch hilfreich, auch das Konstruieren in Cinema4D zu üben. Speziell Formen, die im CAD-Programm nicht ohne weiteres gebaut werden können (z.B. Schraubflächen an einer Wendeltreppe), können in einem 3D-Modellierwerkzeug viel besser realisiert werden.

Laden Sie zunächst das Verzeichnis villa_1_modell herunter.

 

Als Beispiel dient ein Badezimmer der Villa Savoye von Le Corbusier. Es geht darum, die Szene so nachzubauen, dass sie aussieht wie auf dem Foto. Aufgrund der Fliesen lassen sich die Massverhältnisse des Raumes im Vordergrund recht einfach rekonstruieren, die entsprechenden Masse entnehmen Sie daher einfach meinen Angaben weiter unten. Es ist egal, ob in Ihren Voreinstellungen Meter oder Zentimeter als Masseinheiten eingestellt sind - Sie verwenden einfach die von mir angegebenen Zahlenwerte.

Das Waschbecken kann per Bildmontage später in Photoshop eingefügt werden.

Wir werden mit dem Modellieren der geschwungenen Liege beginnen. Zum Nachzeichnen der Kurve können wir das Foto verwenden, da es sich bei der Darstellung um eine Frontalperspektive handelt, in der alle Elemente, die parallel zur Filmebene liegen, in ihrer wahren Form und in in ihren korrekten Massverhältnissen erscheinen.

   
 
 

Offnen Sie das Bild villa_1_foto.jpg in Photoshop. Starten Sie Cinema4D. Wechseln Sie in das Fenster, in dem Sie die y-x- Ansicht sehen (F4). Dort werden Sie das Foto als Hintergrund laden. Wählen Sie Bearbeiten (Ansicht-Menü) - Ansichts-Voreinstellungen:

 
  Aktivieren Sie im Attribute-Manager den Bereich Hintergrund und klicken Sie auf den Button rechts, um das Bild villa_1_foto.jpg zu laden.
 
  Es erscheint im Ansichtsfenster.
 
  Zoomen Sie heran, bis Sie die Liege fensterfüllend sehen.
 
 

Sie werden jetzt den Umriss der Liege (die Ansicht) mit einem 2D-Werkzeug nachzeichnen. Mit dieser 2D-Form kann danach durch Extrusion ein 3D-Körper erzeugt werden.

Das 2D-Werkzeug, das Sie verwenden, ist das sogenannte Spline-Werkzeug (obere Befehlsleiste), genauer gesagt das Bezier-Spline-Werkzeug:

 
  Zeichnen Sie den Umriss nach, indem Sie auf die unteren Eckpunkte und auf die Extrempunkte der Kurve klicken ( links oben, Mitte unten, halbrechts halbhoch und rechts unten). Sie erhalten ein Polygon, das noch nicht dem Kurvenverlauf folgt.
 
  Wählen Sie testweise Bearbeiten (Ansicht-Menü) - Ansichts-Voreinstellungen und deaktivieren Sie die Option Bild anzeigen. So können Sie Ihren Spline besser sehen.
 
  Der Spline soll jetzt im oberen Teil eine Kurve erhalten, die der des Fotos entspricht. Um zu verstehen, wie Kurvenpunkte eines Splines erzeugt und bearbeitet werden können, öffnen Sie vorübergehend eine neue leere Datei. Zeichnen Sie hier, ebenfalls im F4-Ansichtsfenster, mit dem Bezier-Spline-Werkzeug eine ähnliche Figur.
 
  Sorgen Sie dafür, dass am linken Fensterrand der Punkte-Bearbeiten-Modus und am oberen Fensterrand das Verschiebe-Werkzeug ausgewählt ist. Klicken Sie dann mit gedrückter Shifttaste auf die ersten drei Punkte von links.
 
  Wählen Sie Struktur (Hauptmenü) - Spline bearbeiten - Weiche Interpolation:
 
  Der Spline erhält an den ausgewählten Punkten eine Krümmung sowie jeweils zu beiden Seiten eine Tangente, deren Länge und Lage die Krümmung bestimmt.
 
  Mit aktiviertem Punkte-Bearbeiten-Modus und ausgewähltem Verschiebe-Werkzeug können nun die Tangenten gedreht sowie verlängert bzw. gestaucht werden. Ausserdem kann nach der Auswahl eines einzelnen Punktes dieser verschoben werden. Mit gedrückter Shift-Taste können die Tangenten einzeln bearbeitet werden.
 
   
 
   
 
  Bearbeiten Sie nun den Spline in Ihrem Originaldokument, bis die Kurve der Kontur des Fotos folgt.
 
   
 
  Für die Eckpunkte schieben Sie mit gedrückter Shift-Taste die äusseren Tangenten ganz auf den Punkt.
 
  Schieben Sie jetzt noch die unteren, "normalen" Eckpunkte so hin, dass die Verbindungslinien horizontal bzw. vertikal sind.
 
  Blenden Sie das Bild aus, es wird nicht mehr gebraucht.
 
  Wechseln Sie in die Perspektive (F1).
 
  Platzieren Sie einen Würfel. Geben Sie ihm die Masse x=228, y=100 und z=400 und die y-Position -50:
 
   
 
  Wechseln Sie in die x-y-Ansicht (F4).
 
  Wechseln Sie in den Modus Objekt-Achse Bearbeiten.
 
  Wechseln Sie in den Snap-Manager und aktivieren Sie dort 3D-Snapping mit der Option Punkt.
 
  Verschieben Sie das Achsenkreuz des Spline-Objekts auf einen seiner Eckpunkte. Wechseln Sie nun in den Modus Modell bearbeiten.
 
  Verschieben Sie nun das Spline-Objekt so, dass der linke untere Eckpunkt auf der oberen linken Ecke des Quaders liegt.
 
  Wählen Sie das Skalier-Werkzeug.
 
  Klicken und ziehen Sie mit der Maus, so dass das Spline-Objekt kleiner wird. Wenn die x-Länge im Koordinatenmanager fast genau 228 zeigt, hören Sie auf. Ändern Sie nun den Wert für x manuell auf genau 228. Dass hierbei die Proportionen minimal verfälscht wird, fällt optisch nicht ins Gewicht. (Anm.: die Abbildung unten zeigt die Einstellung für den z-Wert und ist nicht korrekt!)
 
   
 
   
 
  Verwandeln Sie nun den Würfel mit dem Befehl Struktur - Grundobjekt konvertieren in ein Polygon-Objekt.
 
  Seine Darstellung im Objekt-Manager ändert sich dadurch:
 
  Versetzen Sie das Achsenkreuz des Quaders an seine hintere linke obere Ecke (Modus Objekt-Achse bearbeiten - Verschieben, Snapping ist aktiv):
 
  Schieben Sie das Spline-Objekt ebenfalls an diese Stelle (Modus Modell bearbeiten - Verschieben).
 
  Platzieren Sie ein Extrude-NURBS-Grundobjekt (obere Befehlsleiste).
 
  Ziehen Sie im Objekt-Manager das Spline-Objekt auf das NURBS-Objekt, so dass es ein Unterobjekt desselben wird:
 
  Das NURBS-Objekt macht aus dem Spline-Objekt einen 3D-Körper. Allerdings geht die Extrusion noch in die falsche Richtung.
 
  Tragen Sie daher für das NURBS-Objekt im Attribute-Manager bei Verschiebung für den letzten Wert (z) -66 ein:
 
  Die Liege erscheint nun richtig dimensioniert:
 
  Benennen Sie das NURBS-Objekt um in Liege und schliessen Sie es:
 
  Jetzt soll die quaderförmige Vertiefung für die Badewanne erzeugt werden. Dies erfolgt über die partielle Extrusion des Grundquaders. Wechseln Sie in den Modus Polygone bearbeiten:
 
  Wählen Sie das Selektionswerkzeug:
 
  Klicken Sie auf die Oberseite des Quaders, so dass sie rot umrandet erscheint:
 
  Wechseln Sie in die Draufsicht (F2):
 
  Um zu verstehen, wie Extrusion funktioniert, öffnen Sie vorübergehend eine neue Szene. Platzieren Sie einen Würfel, konvertieren ihn (C), wechseln ebenfalls in den Modus Polygone bearbeiten und wählen seine Oberseite aus:
 
  Wählen Sie aus dem Struktur-Menü den Befehl Messer:
 
  Im Werkzeugmanager aktivieren Sie die Option Auf Selektion beschränken:
 
  Ziehen Sie mit der Maus eine Linie über die Oberseite des Würfels:
 
  Sie sehen, wie das Deckflächenpolygon an dieser Stelle aufgeteilt wird:
 
  Wählen Sie eins der beiden Polygone aus und aktivieren dann den Befehl Struktur-Extrudieren:
 
  Klicken Sie irgendwo in das Editorfenster und ziehen Sie mit der Maus, so dass sich das Polygon nach oben schiebt:
 
 

Wechseln Sie zu Ihrem Projekt zurück. Schalten Sie Snapping ab. Zeichnen Sie mit dem Messer-Werkzeug vier Linien (siehe links) und halten Sie dabei die Shift-Taste gedrückt, so dass die Linien parallel zu den Aussenkanten liegen.

Die genaue Position wird später festgelegt.

 
  Wechseln Sie in den Modus Kanten bearbeiten:
 
 

Sie werden jetzt der Reihe nach die neu entstandenen Linien auswählen und deren Position über den Koordinatenmanager ändern

Beachten Sie, dass es immer drei Linien auf einer Geraden sind, die Sie mit gedrückter Shift-Taste auswählen. Achten Sie beim Anklicken unbedingt darauf, dass Sie dabei nicht in die Nähe anderer Linien kommen, da Sie diese dann ebenfalls auswählen. (Die Fang-Toleranz für das Selektions-Werkzeug kann im Werkzeug-Manager verringert werden.)

 
  Ändern Sie für die Position der ausgewählten Linien den x-Wert auf 48:
 
  Verfahren Sie nun analog mit den übrigen drei Liniengruppen:
 
  Hier ist der x-Wert auf 120 zu ändern.
 
   
 
  Ändern Sie hier den z-Wert auf -78 ...
 
   
 
  ... und hier auf -264.
 
  Wechseln Sie zurück in die Perspektive. Wählen Sie das mittlere Rechteck der Quaderdeckfläche aus (Modus Polygone bearbeiten - Selektionswerkzeug):
 
  Wählen Sie nun den Befehl Extrudieren aus dem Struktur-Menü, stellen Sie im Werkzeug-Manager für den Offset -60 ein und klicken Sie auf Anwenden:
 
  Das Badebecken erscheint nun korrekt vertieft.
 
Damit sind die wichtigsten Elemente des Bild-Vordergrundes modelliert. Im nächsten Schritt werden Sie die anschliessenden Wände bauen. Wenn Sie wollen, vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit meiner Datei villa_1fin.c4d.    
   
 

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